Forschungsbereich Antike Philosophie

Die Philosophie der Antike ist nicht nur wesentlicher Bestandteil des Studiums der Philosophie, sondern auch ein zentraler Forschungsbereich. Dies aus zweierlei Gründen: Wesentliche Hauptfragen und Methoden der Philosophie wurden in der Zeit der klassischen Antike entwickelt. Zudem hat sich die Philosophie in ihrer gesamten Geschichte mit antiken Ansichten und Theorien auseinandergesetzt, sodass sie von diesen zu jeder Zeit inspiriert und wesentlich beeinflusst wurde. So wären etwa die Tugend-Ethik und der Neuessentialismus der letzten 60 Jahre nicht ohne ihren antiken Hintergrund denkbar. Lesen Sie mehr


Im Ramen der Veranstaltungen zu antiker Philosophie dürfen wir Sie dieses Semester zu den Vorträgen zur Entwicklung der Weltvorstellungen von Platon zu Galileo herzlich einladen und freuen uns auf Ihr Kommen!


 News & Events

Neuerscheinung: "Leben in Gemeinschaft. Politische Anthropologie anhand Hesiod"

Simon Varga eröffnet in seinem Buch neue Perspektiven der Hesiod-Interpretation. Als "früher Vorsokratiker" ist Hesiod dabei besonders unter ethischen und politischen Gesichtspunkten von Interesse, zumal in "Werke und Tage" zentrale Themen des guten Lebens des Einzelnen sowie des gelingenden Zusammenlebens des Menschen in Gemeinschaft angesprochen werden: Wettstreit, Gerechtigkeit, Arbeit, Hausgemeinschaft, Freundschaft und "Spiritualität". Dennoch, so Hesiod, hat der Mensch in vielen Fragen der Lebensgestaltung vor allem eines: Entscheidungsfreiheit.

Das Buch ist in der "Blauen Reihe" des Meiner-Verlags
https://meiner.de/leben-in-gemeinschaft.html erschienen.


Lektürekreis AGORÁ - neu ab Sommersemester 2019

Im anlaufenden Sommersemester startet wieder der Lektürekreis AGORÁ, der eine eingehende Lektüre von Texten der antiken Philosophie ermöglichen soll. Im Vordergrund stehen dabei insbesondere jene Texte, die im Studium nicht oder nur partiell gelesen werden.

Für das Plakat klicken Sie hier

 

 


Die aporetische Tradition in der Antike

In dem neu erschienenen Sammelband, der von Prof. Karamanolis in Zusammenarbeit mit Prof. Vasilis Politis (Trinity College) herausgegeben wurde, wird die Aporie als maßgebliche Instanz philosophischer Verhandlungen in der Antike reflektiert. Neben der Analyse der unterschiedlichen Funktionen und Strukturen in den Philosophien der Vorsokratiker bis hin zum Neuplatonismus bietet die Zusammenstellung der unterschiedlichen Beiträge (u.a. von John Dillon, Friedemann Buddensiek und Christof Rapp) die erste umfangreiche Studie zur aporetischen Methodologie.

Der Sammelband ist bei Cambridge University Press erschienen


Paradoxien, die „Enzyme“ der Philosophie

In ihrem Vortrag zu den Raum- und Bewegungsparadoxien von Zenon gewährte uns Barbara Sattler (University of St. Andrews) vergangenen November einen Einblick in die bedeutsame Rolle von Paradoxien seit den Vorsokratikern. Insbesondere die Paradoxien zu Raum und Bewegung des Eleaten Zenon stellten einen wichtigen Prüfstein für die späteren Raumtheorien der Atomisten, Platon und Aristoteles (vgl. Buch VI) dar. Mit Zenon gelangte der Begriff des topos (griech. für Raum) nach seiner unauffälligen Verwendung bei Parmenides auf die Bildfläche des philosophischen Denkens. Seine Paradoxien (etwa Toposparadoxon und Dichotomieparadoxon) dürften als Veranschaulichung der parmenideischen Lehre vom Einen gedient haben und fungierten, wie Barbara Sattler formulierte, als „Enzyme“ hinsichtlich der Entwicklung von späteren Raumtheorien. Barbara Sattler, die derzeit eine Senior Lecturer Stelle an der schottischen Universität St. Andrews unterhält und unter anderem in Wien studierte, arbeitet derzeit an einer Monografie zur antiken Raumtheorien; ein weiteres Buchprojekt betrifft Zenons Paradoxien im Speziellen.


Neuer Uni:docs-Fellow Thomas Seissl im Interview

Seit diesem Herbst beforscht unser neuer Uni:docs Fellow Thomas Seissl das Problem des "Jetzt" bei Aristoteles aus Sicht der spätantiken Kommentatoren. Erfahren Sie mehr über ihn und sein Projekt in einem kurzen Interview hier

Studienreise nach Sizilien im September 2018

Vergangenen September fand in Zusammenarbeit mit dem Institut für Klassische Philologie und jenem der Byzantinistik und Neogräzistik eine Studienreise nach Sizilien statt. Neben interessierten Studierenden waren mit dabei: Dr. Christoph Schwameis, Prof. George Karamanolis und Mag. Katharina Schön.

Aufgrund des großen Erfolgs dieser Reise ist für kommendes Jahr eine weitere Exkursion geplant!

Klicken Sie hier zum Reisebericht einer Studentin


Glaubte Pythagoras tatsächlich an die Unsterblichkeit der Seele?

Mitte November des vergangenen Jahres besuchte uns Prof. Phillip Sidney Horky der Universität Durham (Plato and Pythagoreanism, OUP 2013). Im Rahmen seines Vortrags eröffnete er eine völlig neue Perspektive auf die Pythagoreer – und damit indirekt auch auf Platon: Dem Associate Professor zufolge ist es nicht ausgeschlossen, dass es sich bei der Ansicht, Pythagoras hätte an die Unsterblichkeit der Seele geglaubt, um eine womöglich vorschnelle Schlussfolgerung handeln könnte. In einem Close Reading entscheidender Zeugnisse zu Pythagoras zeigte Horky, dass die Linie, die man traditionellerweise zwischen Pythagoras und Platon zieht, hinterfragt werden kann: Viel naheliegender scheint es, dass Pythagoras bloß an die Metempsychose geglaubt hat – und nicht an die Unsterblichkeit der Seele. Damit wäre Pythagoras dem Denken der anderen Vorsokratiker weitaus näher als jenem Platons.  Dies hätte selbstverständlich auch eine gänzlich veränderte Perspektive auf Platon zur Folge. Prof. Horkys Überlegungen sind ein eindrucksvolles Beispiel präzise angewandter Methodologie, welche zu einer gewissenhaften und eigenständigen Lektüre der Primärtexte ermutigen wie auffordern.