Forschungsbereich Antike Philosophie

Die Philosophie der Antike ist nicht nur wesentlicher Bestandteil des Studiums der Philosophie, sondern auch ein zentraler Forschungsbereich. Dies aus zweierlei Gründen: Wesentliche Hauptfragen und Methoden der Philosophie wurden in der Zeit der klassischen Antike entwickelt. Zudem hat sich die Philosophie in ihrer gesamten Geschichte mit antiken Ansichten und Theorien auseinandergesetzt, sodass sie von diesen zu jeder Zeit inspiriert und wesentlich beeinflusst wurde. So wären etwa die Tugend-Ethik und der Neuessentialismus der letzten 60 Jahre nicht ohne ihren antiken Hintergrund denkbar. Lesen Sie mehr


 News & Events


Zweite Auflage von "The Philosophy of Early Christianity" von George Karamanolis

Es freut uns, darauf hinzuweisen, dass die Monographie "The Philosophy of Early Christianity" von George Karamanolis nun in der zweiten Auflage bei Routledge erschienen ist. Diese überarbeitete Auflage berücksichtigt die jüngsten Forschungsentwicklungen auf dem Gebiet der späteren antiken Philosophie, insbesondere in der Philosophie des frühen Christentums, und integriert sie in die entsprechenden Kapitel, die eine Erweiterung erfahren haben.

Buchbeschreibung:

This new edition introduces the reader to the philosophy of early Christianity in the second to fourth centuries AD, and contextualizes the philosophical contributions of early Christians in the framework of the ancient philosophical debates. It examines the first attempts of Christian thinkers to engage with issues such as questions of cosmogony and first principles, freedom of choice, concept formation, and the body–soul relation, as well as later questions like the status of the divine persons of the Trinity. It also aims to show that the philosophy of early Christianity is part of ancient philosophy as a distinct school of thought, being in constant dialogue with the ancient philosophical schools, such as Platonism, Aristotelianism, Stoicism, and even Epicureanism and Scepticism. This book examines in detail the philosophical views of Christian thinkers such as Justin Martyr, Clement of Alexandria, Irenaeus, Tertullian, Origen, Basil, and Gregory of Nyssa, and sheds light in the distinct ways they conceptualized traditional philosophical issues and made some intriguing contributions. The book’s core chapters survey the central philosophical concerns of the early Christian thinkers and examines their contributions. These range across natural philosophy, metaphysics, logic and epistemology, psychology, and ethics, and include such questions as how the world came into being, how God relates to the world, the status of matter, how we can gain knowledge, in what sense humans have freedom of choice, what the nature of soul is and how it relates to the body, and how we can attain happiness and salvation.


Die aporetische Tradition in der Antike

In dem neu erschienenen Sammelband, der von Prof. Karamanolis in Zusammenarbeit mit Prof. Vasilis Politis (Trinity College) herausgegeben wurde, wird die Aporie als maßgebliche Instanz philosophischer Verhandlungen in der Antike reflektiert. Neben der Analyse der unterschiedlichen Funktionen und Strukturen in den Philosophien der Vorsokratiker bis hin zum Neuplatonismus bietet die Zusammenstellung der unterschiedlichen Beiträge (u.a. von John Dillon, Friedemann Buddensiek und Christof Rapp) die erste umfangreiche Studie zur aporetischen Methodologie.

Der Sammelband ist bei Cambridge University Press erschienen

Pseudo-Aristotle: De Mundo (On the Cosmos)

Klappentext: 

De mundo is a protreptic to philosophy in the form of a letter to Alexander the Great and is traditionally ascribed to Aristotle. It offers a unique view of the cosmos, God and their relationship, which was inspired by Aristotle but written by a later author. The author provides an outline of cosmology, geography and meteorology, only to argue that a full understanding of the cosmos cannot be achieved without a proper grasp of God as its ultimate cause. To ensure such a grasp, the author provides a series of twelve carefully chosen interlocking analogies, building a complex picture in the reader's mind. The work develops a distinctly Aristotelian picture of God and the cosmos while paying tribute to pre-Aristotelian philosophers and avoiding open criticism of rival schools of philosophy. De mundo exercised considerable influence in late antiquity and then in the Renaissance and Early Modern times.

Der Kommentar, herausgegeben von George Karamanolis und Pavel Gregoric, ist bei Cambridge University Press erschienen.

Neuerscheinung: "Leben in Gemeinschaft. Politische Anthropologie anhand Hesiod"

Simon Varga eröffnet in seinem Buch neue Perspektiven der Hesiod-Interpretation. Als "früher Vorsokratiker" ist Hesiod dabei besonders unter ethischen und politischen Gesichtspunkten von Interesse, zumal in "Werke und Tage" zentrale Themen des guten Lebens des Einzelnen sowie des gelingenden Zusammenlebens des Menschen in Gemeinschaft angesprochen werden: Wettstreit, Gerechtigkeit, Arbeit, Hausgemeinschaft, Freundschaft und "Spiritualität". Dennoch, so Hesiod, hat der Mensch in vielen Fragen der Lebensgestaltung vor allem eines: Entscheidungsfreiheit.

Das Buch ist in der "Blauen Reihe" des Meiner-Verlags
https://meiner.de/leben-in-gemeinschaft.html erschienen.


Paradoxien, die „Enzyme“ der Philosophie

In ihrem Vortrag zu den Raum- und Bewegungsparadoxien von Zenon gewährte uns Barbara Sattler (University of St. Andrews) vergangenen November einen Einblick in die bedeutsame Rolle von Paradoxien seit den Vorsokratikern. Insbesondere die Paradoxien zu Raum und Bewegung des Eleaten Zenon stellten einen wichtigen Prüfstein für die späteren Raumtheorien der Atomisten, Platon und Aristoteles (vgl. Buch VI) dar. Mit Zenon gelangte der Begriff des topos (griech. für Raum) nach seiner unauffälligen Verwendung bei Parmenides auf die Bildfläche des philosophischen Denkens. Seine Paradoxien (etwa Toposparadoxon und Dichotomieparadoxon) dürften als Veranschaulichung der parmenideischen Lehre vom Einen gedient haben und fungierten, wie Barbara Sattler formulierte, als „Enzyme“ hinsichtlich der Entwicklung von späteren Raumtheorien. Barbara Sattler, die derzeit eine Senior Lecturer Stelle an der schottischen Universität St. Andrews unterhält und unter anderem in Wien studierte, arbeitet derzeit an einer Monografie zur antiken Raumtheorien; ein weiteres Buchprojekt betrifft Zenons Paradoxien im Speziellen.


Neuer Uni:docs-Fellow Thomas Seissl im Interview

Seit diesem Herbst beforscht unser neuer Uni:docs Fellow Thomas Seissl das Problem des "Jetzt" bei Aristoteles aus Sicht der spätantiken Kommentatoren. Erfahren Sie mehr über ihn und sein Projekt in einem kurzen Interview hier

Studienreise nach Sizilien im September 2018

Vergangenen September fand in Zusammenarbeit mit dem Institut für Klassische Philologie und jenem der Byzantinistik und Neogräzistik eine Studienreise nach Sizilien statt. Neben interessierten Studierenden waren mit dabei: Dr. Christoph Schwameis, Prof. George Karamanolis und Mag. Katharina Schön.

Aufgrund des großen Erfolgs dieser Reise ist für kommendes Jahr eine weitere Exkursion geplant!

Klicken Sie hier zum Reisebericht einer Studentin


Glaubte Pythagoras tatsächlich an die Unsterblichkeit der Seele?

Mitte November des vergangenen Jahres besuchte uns Prof. Phillip Sidney Horky der Universität Durham (Plato and Pythagoreanism, OUP 2013). Im Rahmen seines Vortrags eröffnete er eine völlig neue Perspektive auf die Pythagoreer – und damit indirekt auch auf Platon: Dem Associate Professor zufolge ist es nicht ausgeschlossen, dass es sich bei der Ansicht, Pythagoras hätte an die Unsterblichkeit der Seele geglaubt, um eine womöglich vorschnelle Schlussfolgerung handeln könnte. In einem Close Reading entscheidender Zeugnisse zu Pythagoras zeigte Horky, dass die Linie, die man traditionellerweise zwischen Pythagoras und Platon zieht, hinterfragt werden kann: Viel naheliegender scheint es, dass Pythagoras bloß an die Metempsychose geglaubt hat – und nicht an die Unsterblichkeit der Seele. Damit wäre Pythagoras dem Denken der anderen Vorsokratiker weitaus näher als jenem Platons.  Dies hätte selbstverständlich auch eine gänzlich veränderte Perspektive auf Platon zur Folge. Prof. Horkys Überlegungen sind ein eindrucksvolles Beispiel präzise angewandter Methodologie, welche zu einer gewissenhaften und eigenständigen Lektüre der Primärtexte ermutigen wie auffordern.